Unsere Organistin Gisela Hartmann ist gestorben

Die Kirchengemeinde St. Matthäus ist in großer Trauer, denn sie hat mit Gisela Hartmann ihre Organistin und darüber hinaus ein langjähriges Mitglied des Kirchenvorstands verloren. Sie starb am 22. Juli im Alter von 76 Jahren und wurde am 27. Juli auf dem Bamberger Hauptfriedhof unter großer Anteilnahme beigesetzt.

Gisela Hartmann entstammt einer alteingesessenen Bamberger Industriellenfamilie mit starken kirchlichen Bindungen und kultureller Affinität. Sie wurde im Umkreis von St. Stephan schon früh kirchenmusikalisch geprägt. Nach ihrer Ausbildung zur Tontechnikerin widmete sie sich familiären Aufgaben, insbesondere der Erziehung ihrer beiden Töchter. 1983 legte sie die so genannte D-Prüfung für den nebenamtlichen kirchenmusikalischen Dienst an der Bayreuther Fachakademie für evangelische Kirchenmusik ab. Zwei Jahre später folgte die anspruchsvolle C-Prüfung in insgesamt 13 Fächern.

Schon vorher hatte sie den damaligen Hauptorganisten Martin Köhl bei der Gründung eines Kirchenchores tatkräftig unterstützt. Als dieser für fünf Jahre als Hochschullehrer an eine französische Universität wechselte, vertrat sie ihn während dieser Zeit in allen Aufgaben. Ein Dienstvertrag regelte schon ab Anfang 1985 ihre Tätigkeit in der Kirchengemeinde St. Matthäus. Nach der Rückkehr von Herrn Köhl teilten sich beide Organisten in bestem Einvernehmen die kirchenmusikalischen Aufgaben bis zu ihrem krankheitsbedingten Ausscheiden am 31. Dezember 2015.

Gisela Hartmann hat sich in all den Jahren in vielfältiger Weise für die Kirchenmusik eingesetzt. Neben der gewissenhaften Vorbereitung auf die gottesdienstlichen Organistenpflichten profilierte sie sich durch die Übernahme zahlreicher anderer Aufgaben. So bereiste sie zusammen mit Martin Köhl ganz Nordbayern, um 1985 bei der Entscheidung für eine neue Orgel in St. Matthäus bezüglich der in Frage kommenden Orgelbaufirmen die richtige Wahl treffen zu können – alles natürlich in der Freizeit und auf eigene Kosten.  Nach der Entscheidung für die Firma Eule war es beiden Organisten ein Anliegen, das neue Instrument mit einer Stimmung auszustatten, die dem Gemeindegesang besonders zugute kommt. Die Entscheidung für die Stimmung mit der Bezeichnung „Kirnberger III“, die im fränkischen Raum wegen ihres Pioniercharakters auf große Resonanz stieß, beruhte nicht zuletzt auf Gisela Hartmanns Votum, das sich auf profunde tonphysikalische Kenntnisse stützte.

Bei den von Gerhard Fiedler ins Leben gerufenen Orchesterkonzerten in unserer Kirche spielte sie stets sowohl organisatorisch als auch musikalisch eine überaus wichtige Rolle.

Als vorbildlich darf ihre kontinuierliche, ja geradezu rastlose Bereitschaft zur Weiterbildung gewertet werden, die sie zu den unterschiedlichsten kirchenmusikalischen Themen in die entsprechenden kirchlichen Seminarzentren führte. Ihre hohe Kompetenz erlaubte es ihr, in musikalischen Dingen um der Sache willen „streng“ zu sein. Das wurde aber stets moderiert durch ihre sehr verbindliche und freundliche Art des Umgangs mit ihren Mitmenschen. Trotz einer qualvollen chronischen Erkrankung versah sie ihren Dienst noch bis Ende letzten Jahres. 

Mit dem Tod von Gisela Hartmann verliert sowohl unsere Kirchengemeinde St. Matthäus als auch ihr musikalisches Umfeld in Bischberg eine prägende Gestalt, die in unserem kollektiven Gedächtnis eine markante und unauslöschliche Stelle einnimmt.